Entweder Sex oder Tod

Aber nicht beides. Die Stadt Augsburg hat die Ausstellung von zwei präparierten Leichen im Geschlechtsakt verboten. Streng getrennte Körperwelten also. Chefpräparator Gunther von Hagens wollte die beiden “Liebenden über den Tod hinaus” in einem separaten Raum und ab 16 zeigen. Die Stadt Augsburg findet allerdings, das “verstoße gegen die Würde der Verstorbenen und verletze das sittliche Empfinden der Allgemeinheit”.

Ach. Ich wohne so gern im idyllischen Schilda. Anders gesagt: Ich finde überhaupt nicht, dass die Würde der Verstorbenen hier verletzt wird. Und auch mein sittliches Empfinden nicht. Im Gegenteil: Sex und Tod sind beides ernste Themen, die man reflektieren sollte. Auch öffentlich. Und sei es im Rahmen einer für mich sonst eher uninteressanten Ausstellung. So, wie es aber gestern in der Süddeutschen stand, ist es peinlich, und ein weiteres Indiz dafür, dass rückwärtsgerichtete Kräfte in meiner schönen Heimatstadt krampfhaft versuchen, die ehemalige Weltstadt zur Tiefst-Provinz umzudeklarieren.

Lieber zuständiger Referent: Das wird nicht klappen. Einschliesslich Speckgürtel hat Augsburg eine halbe Million Einwohner, und das ist definitiv die Kragenweite einer verdammten Grosstadt. Kommt damit klar, Leute, oder geht woanders hin.

1 Kommentar zu “Entweder Sex oder Tod”


  1. 1 Silke 6. Aug 2009 um 10:20

    Ich würde das ehrlich gesagt so nicht sehen. München hat zB die gesamte Ausstellung verboten. Gerirt sich München dadurch auch als Stadt der Provinz? Ich finde dagegen hat sich Augsburg schon offener gezeigt. Das diese Skulptur jetzt verboten wird liegt für mich einfach eher an der gesamt konservativen Einstellung in Bayern.

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