Das Lab 30 Festival (siehe unten) hat in den 8 Jahren seines Bestehens eine definitiv überregionale Bedeutung bekommen. Das ist ja nicht bei allen Augsburger Produkten so. Internationale Künstler bringen alljährlich ungewohnten Glanz in die selbstgewählt provinzielle Bescheidenheit unserer schönen Heimatstadt. Um so bedauerlicher, dass sich das Kuratorenteam des Lab30 jetzt endgültig verkracht hat. Prof. Robert Rose (und mit ihm die Hochschule Augsburg) und Christian Grimm haben ihren Austritt erklärt. Das Interview durch einen Studentenvertreter findet ihr unten. Ich weiss nicht, wie es mit dem Lab weitergehen soll, eigentlich könnt dieses wichtige Festival in unseren kulturfeindlichen Zeiten jede Unterstützung gebrauchen, die es bekommen kann. Mehr zum Thema, sobald ich was dazu erfahre.
Abschied vom LAB
Das folgende Interview wurde am 7. 11. 2009 geführt von
Moritz Jacobs, (gewählter Studentenvertreter der Fakultät für Gestaltung, und Mitglied der studentischen Jury des LAB.AWARD) mit Herrn Hans Christian Grimm und Herrn Robert Rose, Professor für Zeit-Medien an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Augsburg.Herr Prof. Rose, wie sieht die Zukunft des LAB.30 aus?
Rose:
Das achte LAB.30 ist das letzte LAB in der bisherigen Konstellation. Die Fakultät für Gestaltung zieht sich aus der Partnerschaft mit dem Kulturamt der Stadt Augsburg zurück und wird sich in dieser Form nicht mehr am LAB beteiligen. Darüber hinaus legen wir beide als zwei der vier Kuratoren des LAB unser Amt nieder.Herr Hans-Christian Grimm und ich werden künftig nicht mehr im Kuratorenteam des LAB.30 mitwirken.Herr Grimm, zwei der vier Gründer ziehen sich vom LAB zurück – warum?
Grimm:
Kuratoren müssen nach meiner Überzeugung transparent arbeiten und die künstlerische Entscheidungshoheit haben. Das Votum eines Kuratorenteams und natürlich auch einer Jury muss souverän und unabhängig gefällt und an künstlerischen Kriterien orientiert sein. Unsere Vorstellungen zur Rolle von Kuratoren haben sich in den letzten Jahren auseinander entwickelt. Das ist sehr schade, weil wir in den ersten Gründerjahren sehr gut und
vertrauensvoll zusammen gearbeitet haben. Auf diesen Aufbau sind wir natürlich stolz und freuen uns darüber, dass wir damit experimentelle Medienkunst mit dem LAB in Augsburg etablieren konnten.Herr Prof. Rose, gleichzeitig zieht sich auch die Fakultät für Gestaltung vom LAB zurück?
Rose:
Unsere Fakultät war von Beginn an Partner des Kulturamtes und hat die Entwicklung des LAB mit gestaltet und wesentlich geprägt. Das Design des LAB entstand in mehreren Evolutionsstufen im Studiengang Interaktive Medien. Zahlreiche kreative Aktionen unserer Studenten haben das LAB bekannt gemacht – Projektionen auf dem Perlachturm, ein fahrender Interviewsessel in der Innenstadt, aber vor allem die LAB.STOP-Aktionen an der Buslinie 35 haben das LAB.30 seit Jahren begleitet und für Präsenz des LAB in der Innenstadt gesorgt.
LiveStreams vom LAB oder in diesem Jahr unser LiveBlog unter STROMLABOR.de gehören ebenso zum Programm wie zahlreiche kleinere Projekte vor Ort.
Besonders wichtig war uns immer der LAB.AWARD, für den wir nicht nur eine unabhängige studentische Jury stellten, sondern in jedem Jahr eine neue Trophäe als Unikat entwickelten und produzierten. Im internen Umgang miteinander wie auch in der Außendarstellung des LAB entsprach die Rolle unserer Fakultät leider in den letzten Jahren immer weniger unserem Engagement und unserem Selbstverständnis. Wir müssen leider davon ausgehen, dass eine echte Partnerschaft nicht mehr gewollt ist.Hätte es denn keine andere, konstruktive Lösung gegeben?
Grimm:
Wir treffen unsere Entscheidung nicht leichtfertig, sondern haben in der Vergangenheit immer wieder nach einer kommunikativen Lösung gesucht. Nach den Gründerjahren hätten wir eine gemeinsame
Entwicklungsstrategie erarbeiten müssen. Unsere Vorstöße dazu wurden jedoch oft konfrontativ aufgefasst – was wir sehr bedauern.Rose:
Nachdem intern zwischen der Fakultät und dem Kulturamt die Debatte nicht mehr konstruktiv zu führen war, hat die Hochschule Augsburg im Rathaus der Stadt eine Kooperation auf Basis eines Partnervertrages
vorgeschlagen – leider bisher ohne Antwort.Herr Prof. Rose, bedeutet dieser Schritt denn nicht auch einen großen Verlust für die Fakultät für Gestaltung?
Rose:
Natürlich bedauern wir diese Entwicklung sehr. Das LAB ist auch unser Projekt, das wir aufgebaut und geprägt haben. Die heutige Ausrichtung hat das LAB natürlich auch durch die Programmatik der Fakultät für Gestaltung. Die Reputation unserer Fakultät hat sehr geholfen, eine kleine Veranstaltung ohne Namen in der
Medienkunstszene zu etablieren. Darauf sind wir schon stolz und das geben wir nicht leichtfertig auf. Außerhalb Augsburgs genießt unsere Fakultät großen Respekt im wirtschaftlichen wie im künstlerischen Umfeld. Wir hätten uns gewünscht, auch “daheim” so wahrgenommen zu werden. Natürlich schmerzt uns der Abschied vom LAB, aber wir wollen uns dort engagieren, wo sich echte Chancen für uns bieten. Zahlreiche erfolgreiche Partnerprojekte – auch auf internationalem Parkett – bestätigen uns darin.Herr Grimm und Herr Prof. Rose, wie sieht denn nun die Zukunft des LAB aus Ihrer Sicht aus?
Grimm:
Kurzfristig wird sich nicht viel ändern – die Kontaktbank, die wir gemeinsam aufgebaut haben, existiert ja weiter und wir hatten auch für das Veranstaltungsprogramm einige Ideen “auf Halde” produziert, die für
die kommenden Veranstaltungen sicher eine gute Basis bieten werden. Mittelfristig wird sich das Fehlen einer Entwicklungsstrategie negativ bemerkbar machen. Dazu gehören auch selbstverständliche Punkte wie Internationalisierung oder die überregionale Öffentlichkeitsarbeit.Rose:
Wichtig wären vor allem Partnerschaften und Kooperationen mit anderen Kunst- und Kulturveranstaltern in Augsburg – aber vor allem international. Auch wirtschaftlich müssten Kooperationen entwickelt werden, um
die chronische Unterfinanzierung auszugleichen. Der Ausbau neuer Schwerpunkte wie beispielsweise ein eigenes, fachlich kuratiertes Kurzfilmprogramm und eine Symposienreihe zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit den komplexen Themen der zeitgenössischen Medienkultur wären wirklich wichtig, damit das LAB
wachsen könnte – vor allem konzeptionell und inhaltlich.Grimm:
Wir sehen im LAB großes Potential, das wir jedoch in den letzten Jahren nicht entwickeln konnten. Trotz allem – wir haben mit dem LAB gemeinsam ein Projekt auf dem Weg gebracht, auf das wir schon stolz sein dürfen.Rose:
Daher möchten wir uns auch bei unseren beiden Gründerkollegen Elke Seidel und Peter Bommas sehr herzlich für die fruchtbaren ersten Jahre des LAB bedanken. Auch der Stadt Augsburg und unserer Hochschule gilt unser Dank dafür, dass sie diesen Weg bis hierher möglich gemacht und gefördert haben. Vielen Dank für das Gespräch.




1 Kommentar zu “Rückschlag für die lokale Kultur: Lab30-Team implodiert”